Grauzone

Was ist die Grauzone?

In der so genannten Grauzone gibt es keine klar nach­voll­zieh­ba­re Ab­gren­zung nach rechts. Von unpolitisch bis eindeutig rechts verschwimmen die Konturen.
Wir fordern klare Positionen und klare Statements.

Wer sich durch eine nicht zu tolerierende Gleichgültigkeit gegenüber Faschismus, Rassismus, rechter Musik, rechtem Lifestyle oder Konzertbesuchern aus der rechten Szene auszeichnet und wie so oft alte Freundschaften in diesem Spektrum pflegt muß nicht missioniert oder bekehrt werden und hat auch keine Xte Chance verdient, wenn er seit Jahren, bei vollem Bewußtsein Scheiße baut. Hier gibt es keinerlei Diskussionsbedarf, sondern null Toleranz.

Wer sich erst auf massiven Druck zu fadenscheinigen Rechtfertigungen und oberflächlichen Imagekorrekturen entschließt, der tut das nicht aus freien Stücken oder weil er sein Handeln plötzlich hinterfragt hat, sondern um weiteren Schaden von sich und seiner Band, Booking-Agentur, Label, Mailorder, etc. abzuwenden, Geld zu verdienen, unbehelligt Konzerte spielen zu können und weiterhin Strukturen benutzen zu können für die man noch nie etwas getan hat.

Statt dessen werden die, die sich engagieren und diese Strukturen aufgebaut haben, und für deren Erhalt kämpfen, als politische Extremisten, Spinner, oder Antifa-Idioten beschimpft, links mit rechts gleichgesetzt und somit eine angeblich unpolitische Haltung gerechtfertigt.

Freiräume und Einrichtungen die größten Teils dem linken oder alternativen Spektrum zuzuordnen sind, sind nicht dazu da um Zweifelhaften Bands eine Bühne zu bieten und hirnlosen Idioten einen Platz zum feiern. Raus aus unserer Szene! Null Toleranz!

Die Grauzone in und um Hildesheim

Original Beitrag lesen im „Keine Zukunft für Nazis“ Blog

Immer wieder gibt es in der Region Hildesheim sogenannte Oi-Konzerte, die kürzlich aufgrund der Teilnahme von Neonazis öffentliche Aufmerksamkeit fanden. Zuletzt fand am 7. November 2009 ein Oi-Konzert im Speicher bei Rössing statt. Polizeikontrollen bestätigten, dass eine „nicht unerhebliche Anzahl rechtsmotivierter Männer und Frauen“ an dem Konzert teilnahm.
Es war nicht das erste rechtsoffene Oi-Konzert im Speicher bzw. in der Region Hildesheim, bereits am 12. April und am 23. August 2008 fanden ähnliche Konzerte ebenfalls in Rössing statt.
Aufgrund der zu diesen Konzerten veröffentlichten Informationen gab es erstmalig kritische Presseberichte zu den Oi-Konzerten im Speicher.

Die Oi-Szene ist eine Jugendbewegung, die Mitte der 70er/Anfang der 80er in Großbritannien entstand. Ihre Angehörigen waren oft männliche Jugendliche aus der Arbeiterklasse, die sich vom zunehmend kommerzialisierten Punk abgrenzen wollten. Die Wurzeln liegen in der Skinhead-Bewegung, die man noch an äußeren Merkmalen wie Stiefel, abrasierte Haare und Kleidung erkennen kann. Oi-Skinheads fallen häufig durch intensiven Alkoholkonsum, Gewaltbereitschaft und Hooliganismus auf. Ihre Musik setzt sich aus Punk mit Ska-Elementen zusammen. Oi-Skinheads bezeichnen sich als „unpolitisch“, grenzen sich im Alltag aber vor allem von linken Skinheads und Punks ab. Sie sind stolz auf ihre Herkunft und pflegen einen ausgeprägten Männlichkeitskult.

Als Grauzone wird die Oi-(Skinhead-)Szene vor allem deshalb bezeichnet, weil offenbar kein Problem in der Anwesenheit von Neonazis gesehen wird. Auf Treffen und Konzerten zeigen Neonazis eindeutige Tätowierungen, Symbole und T-Shirts mit unmissverständlichen Bezügen zu rechten Symbolen und Bands. Unter dem Deckmantel des unpolitischen wird rechtes Gedankengut ignoriert, toleriert und verbreitet.

In Hildesheim sind die „Bootboys Hildesheim“ maßgebliche Organisatoren der lokalen Oi- Szene. Sie führen immer wieder Aktivitäten wie Feiern, Kegelabende, Partys, Grillen, Zelten und Busreisen zu anderen Konzerten durch bzw. veranstalten selbst (z. B. die oben aufgeführten) Konzerte. Hildesheim gilt als eine Szene-Hochburg.
Wer sich Bilder der drei oben genannten Konzerte anschaut, erkennt schnell, das auch die Hildesheimer Oi-Szene eine Grauzone ist, in der sich Neonazis als gern gesehene Gäste aufhalten und fröhlich mitfeiern. Teilweise haben die eingeladenen Bands selber einen neonazistischen Hintergrund (z. B. Condemned 84 am 7.11.2009).
Tattoos und T-Shirts des Publikums offenbaren zahlreiche Bezüge in die Neonazi-Szene, z. B. den Neonazi-Club „Walhalla“ in Belgien, die Band „Skrewdriver“, dessen Sänger Ian Stuart als Begründer von „Blood & Honour“ gilt, einem internationalen Neonazi-Netzwerk, dass in der BRD verboten ist oder die Band „Kill Baby Kill“. Kill Baby Kill spielte regelmäßig auf Konzerten von „Blood & Honour“. Bei deren Nachfolgegruppe in der Region Braunschweig/Harz „Honour & Pride“ traten sie ebenfalls auf und sind im Verfassungsschutzbericht 2008 des Landes Niedersachsen als rechtsextreme Oi-Band aufgeführt. Zu der Band Kill Baby Kill hat die Hildesheimer Oi-Szene enge Verbindungen: Der Gitarrist Nudel spielte früher in der Hildesheimer Oi-Punk-Band Riot Company und ist mit seinen Band-Kollegen gern gesehener Gast bei Veranstaltungen der Bootboys Hildesheim. Statements der Band sind eindeutig: „Bring back the oi to the white working class!“
Die Kontakte in die organisierte Neonazi-Szene bestehen nicht nur über die Band Kill Baby Kill. Aus den Reihen von „Honour & Pride“ sind immer wieder Besucher oder sogar Helfer, wie z.B. Jens Wolpers aus dem Landkreis Hildesheim auf Veranstaltungen der Bootboys Hildesheim anzutreffen.
Auch zahlreiche andere Personen aus der Neonazi-Szene sind auf den Konzerten der Bootboys Hildesheim anwesend. So z. B. Mario Messerschmidt am 23.8.2008. Er wurde im Juni 2009 zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er im November 2008 in einem Göttinger Nachtclub mit einer Pumpgun herumschoss und anschließend mit weiteren Neonazis Brandsätze gegen die Fassade des Gebäudes warf.
Ein weiterer Akteur ist Jan Greve, der früher in der Nazi-Szene aktiv war und angeblich ausgestiegen ist. Er organisiert Oi-Konzerte im Raum Hildesheim, z. B. Am 3. Dezember 2005. Die Polizei beendete das Konzert im Dr. Lax Haus wegen der Teilnahme rechter Bands (u. a. „Deutsch Nationale Antisemiten“).
Zur Hildesheimer Oi-Szene zählt auch der „Adler-Versand“ aus Diekholzen. Der Verfassungsschutz Niedersachsen führt diesen Versand im Bericht 2008 als einen von 13 neonazistischen Versänden in Niedersachsen. In Hildesheim versuchte sich der Betreiber des Adler-Versands Tino Adler auch als Konzert-Organisator: Am 13. Mai 2006 sollte ein Konzert mit der Band „Brachial“ im Dr. Lax-Haus am Schützenplatz stattfinden. Auf Intervention der Polizei sagte der Vermieter die Veranstaltung jedoch ab, da rechte Bands auftreten sollten.

Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass nicht alle Personen, die sich zur Oi-Szene zählen, Neonazis sind. Es gibt auch nicht-rechte Oi-Skins, dennoch ist festzuhalten, dass eine Akzeptanz und Duldung von Neonazis und deren Symbolik unter dem Deckmantel des „Unpolitischen“ besteht. Der Etablierung und Verfestigung rechten Gedankenguts wird Vorschub geleistet. Wir rufen dazu auf, aufmerksam zu sein und eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen, in der keine Nazis und deren Symbole akzeptiert werden!
Konzerte wie am 7. November 2009 im Rössinger Speicher müssen in die Öffentlichkeit gebracht werden, damit für Neonazis keine Agitationsräume bestehen.
Dass öffentliche Interventionen sinnvoll sind, zeigt, dass nach entsprechenden Hinweisen und Presseberichten eine Veranstaltung der Bootboys Hildesheim am 19. Dezember 2009 im Hildesheimer Brückenstübchen, bei der u. a. eine rechte Band auftreten sollte, aufgrund öffentlichen Drucks abgesagt wurde.
Das Veranstaltungszentrum Speicher hat inzwischen auch kein Interesse mehr an OI-Konzerten.